Bunte Buschen und Palmesel: Der Palmsonntag ist mit besonderem Brauchtum verbunden

Christen im Landkreis haben den Palmsonntag gefeiert. Der Tag ist immer noch von speziellem Brauchtum wie der Palmbuschenweihe geprägt. Palmeselzüge, die an den in der Bibel überlieferten Einzug Jesu in Jerusalem auf einem Esel erinnern, haben aber Seltenheitswert.

Schon im 5. Jahrhundert haben sie sich von Jerusalem nach einem Bericht der vermutlich aus Nordspanien oder Gallien stammenden Pilgerin Egeria in Jerusalem am Nachmittag dieses Tages am Ölberg zu einem ausgedehnten Gottesdienst versammelt, um dann gegen Abend den Bischof in einer feierlichen Prozession unter Hosianna-Rufen in die Stadt zu geleiten.

An dieses Ereignis erinnerte auch die Windberger Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt. Nach der Begrüßung durch Abt Hermann Josef Kugler und eröffnendem Segensgebet wurde das Evangelium vom Einzug Jesu nach Jerusalem verkündet. Danach begab sich die im vorderen Klosterhof versammelte Gemeinde in einer Prozession hinter dem geschmückten Kreuz über den Pfarrplatz zur Eucharistiefeier in der Kirche. Die diesjährigen Kommunionkinder und Firmlinge hatten die am Tag zuvor selbst gebastelten Palmbuschen dabei.

In der Kirche wird die Passionsgeschichte aus einem der synoptichen Evangelien mit verteilten Rollen vorgetragen, in diesem Jahr hörte man den Text aus dem Evangelium nach Lukas. Für die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes sorgte die Windberger Schola unter Leitung von Dekanatskirchenmusiker Peter Hilger.

Nach einer coronabedingten mehrjährigen Pause hat in der Pfarrei Oberpiebing-Salching am Vorabend des Palmsonntags wieder ein Palmeselzug stattgefunden. Dazu versammelten sich auf der sogenannten Reiterwiese in Oberpiebing etwa 50 Kinder mit ihren Palmbuschen und ebenso viele Erwachsene zu einer Andacht.

Eingangs erläuterte Pfarrer Heinrich Weber den Sinn des Palmsonntags, der zugleich der Beginn des Leidens Jesu ist. Unter der Leitung von Nicole Wiendl und Angelika Wenninger folgten Gebete und Lieder, die von Dagmar Genau und Pia Sturm auf der Gitarre begleitet wurden. Für den Palmeselzug hatte Helga Weinfurtner, vom gleichnamigen Reiterhof, drei Esel aufgeboten. Angeführt von Pfarrer Heinrich Weber und Diakon Heribert Schambeck machte sich die kleine Prozession auf den Weg, wobei immer wieder der Ruf erklang: „Wir singen alle Halleluja!“ Am Pfarrhof endete der Zug, wo die Palmbuschen geweiht wurden. Anschließend erfolgte der Einzug in die Pfarrkirche zum Gottesdienst.

Palmprozessionen mit Eseln früher sehr verbreitet

Palmprozessionen mit Eseln waren in früheren Jahrhunderten in der Katholischen Kirche sehr verbreitet. Statt echter Tiere wurde oft auf hölzerne Esel zurückgegriffen, denn diese ließen sich leichter lenken. Im Zeitalter der Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Brauchtum zurückgedrängt und teilweise verboten. Dennoch haben Palmesel in einzelnen Pfarrei auch im Landkreis Straubing-Bogen überlebt. Niederbayernweit zählt der hölzerne Palmesel in Kößlarn im Rottal zu den bekanntesten, denn dort wird die Tradition des Palmeselzugs seit mehr als 500 Jahren gepflegt.

In der Pfarrei Schönach hatten sich die Gläubigen, Pfarrvikar Kessington Anyanwu sowie Ruhestandspfarrer Helmut Grüneisl, auf dem Vorplatz vor dem alten Schulhaus, neben der Pfarrkirche, versammelt. Zuvor segnete Pfarrvikar Kessington die von den Gläubigen mitgebrachten Palmzweige und -büscherl mit Weihwasser und Weihrauch. Nach der Weihe zogen die Gläubigen betend in die Pfarrkirche ein, wo der Pfarrvikar den Festgottesdienst zelebrierte. Die Passionsgeschichte lasen dabei neben dem Geistlichen Monika Kautnick und Elisabeth Zilk. Der neue Organist Michael Wittmann hatte die musikalische Umrahmung innehatte. Die geweihten Palmzweige gelten als Schutz vor Blitz und Krankheit.

(jb/esch/wn - Straubinger Tagblatt 11.4.22 Fotos Erhard Schaffer und Josef Bierl)

Eine Besonderheit in Oberpiebing: Ein Palmeselzug durch das Dorf, angeführt von Pfarrer Heinrich Weber (rechts) und Diakon Heribert Schambeck (links) und drei Eseln..
Eine Besonderheit in Oberpiebing: Ein Palmeselzug durch das Dorf, angeführt von Pfarrer Heinrich Weber (rechts) und Diakon Heribert Schambeck (links) und drei Eseln..

Im vorderen Klosterhof versammelten sich Gemeinde, Kommunionkinder und Firmlinge mit Abt Hermann Josef Kugler zur Palmweihe.